Lienzer Rathaus als keltisch-römisches Museum

Einzigartige Funde förderte man am Lienzer Schlossberg oberhalb des Brauhauses Falkenbräu zutage, wo sich Josef Kalser eine antike Kultstätte offenbarte. Einen Teil der Funde kann man bis Mitte Jänner kostenlos im 2. Stock der Liebburg in Lienz bestaunen.

Keltische Krieger, römische Gottheiten sowie zahlreiche Münzen und Schmuckstücke aus Zeiten der Antike kann man ab Montag, 7. November, während der Öffnungszeiten im 2. Stock des Lienzer Rathauses besichtigen. Dabei haben die Ausstellungsstücke viel zu erzählen, wie zwei Broschüren, die den drei Schaukästen beiliegen, aufzeigen. Darin findet man viele Informationen zu „Fanum Laiancorum“, dem keltisch-römischen Stammesheiligtum auf dem sogenannten Klosterfrauenbichl in Lienz.

Entdeckt wurde die Kultstätte auf dem Lienzer Schlossberg oberhalb des Brauhauses Falkenbräu vom Leisacher Josef Kalser. Mittlerweile untersuchen Experten vom Institut für Archäologie der Universität Innsbruck das Areal und stoßen dabei immer wieder auf einzigartige Ausgrabungsstücke.

So konnten sie nachweisen, dass sich das Heiligtum über eine Fläche von ca. 1,6 ha erstreckt. Angelegt auf mehreren höhenmäßig gestaffelten Terrassen. Im 1. Jahrhundert v. Chr. war es das Stammesheiligtum der Laianken, die im Lienzer Becken siedelten. Die baulichen Zeugnisse dieser Zeit zeigen sich durch im Hang verankerte Holzkonstruktionen mit Trockenmauern. Am höchsten Punkt des Hügels stand einst ein quadratisches Kultgebäude.

Besonders vielfältig sind die aus dem Boden geborgenen Objekte aus keltischer Zeit: so liegen zahlreiche Opfergaben wie Fibeln, bronzene Votivleche mit Punzverzierung, Silbermünzen und eiserne Feuerböcke mit Stierkopfenden vor. Besonders erwähnenswert ist eine bronzene Votivfigur eines nackten Kriegers, der wohl in den beiden Händen Waffen trug. Ein weiteres Highlight ist die vollplastische Bronzestatuette des Gottes Jupiter. Er ist bartlos dargestellt und hält in seiner linken Hand das Blitzbündel, das Attribut in seiner Rechten ist nicht mehr erhalten.

Mit dem Alpenfeldzug der römischen Armee 16 v. Chr. gelangte das für die Kelten so wichtige Heiligtum in einen überregionalen Fokus und in der frühen Kaiserzeit (1. Jahrhundert n. Chr.) zur größten Blüte.

Der Hügel wurde mit einer sorgfältig gesetzten und verputzten Umfassungsmauer, die den heiligen Bezirk (Temenos) von der profanen Welt abgrenzt, umgeben und durch gemauerte Terrassierungen monumental umgestaltet. Die dadurch gewonnenen ebenen Flächen gewährten Platz für diverse Kulthandlungen und zur Deponierung von Weihegaben. Durch das Heiligtum führte ein Prozessionsweg, der bis zur höchsten Stelle zum Tempel führte. Vom Lienzer Talkessel aus muss sich ein beeindruckender Anblick des Hügels als Abfolge von abgetreppten, weiß getünchten Mauern geboten haben.

Einzigartig für Tirol und ganz Österreich ist das Fundrepertoire aus der römischen Epoche. In der römischen Kaiserzeit wurden Münzen, Schmuck und Fibeln in großen Mengen niedergelegt. Bezeichnenderweise für ein ländliches Heiligtum sind figürliche Votivstatuetten aus Zinn, die in zwei Schalen gegossen wurden.

Insgesamt wurden bisher rund 650 Fragmente in unterschiedlicher Größe und unterschiedlichem Erhaltungszustand geborgen. Mit Sicherheit lassen sich die Gottheiten Jupiter, Merkur und Mars und auch Bacchus sowie Venus, Fortuna, Victoria und Minerva nachweisen. Dazu kommen noch Priapos und Amor als Begleiter der Venus, sowie ein Bleivotiv mit den drei Nymphen und ein Eber mit Opferbinde.

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