Page 8 - Baumpatenschaft | Stadt Lienz
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          Was ein Stadtbaum aushalten muss

          im Vergleich zu seinen Verwandten


          im ursprünglichen Lebensraum, dem Wald






          Strahlungshitze - durch Rückstrahlung von Oberflächen   Wunden im Holz des Kronenbereiches - durch Freischnei-
          wie Asphalt, Beton, Pflaster                         den von Lampen, Schildern, Gebäuden und Schneiden des
                                                               erforderlichen Lichtraumprofiles im Bereich von Straßen
          Immissionen – vermehrte Luftschadstoffe (Stickoxide,   und Gehwegen.                                                   Spitzahorn mit Stammwunde und Mehltaupilz auf den Blättern (Alleestraße)
          Schwefeldioxid, Ozon) und Feinstaub.
                                                               Gehäuftes Auftreten von Schadorganismen - durch Klima-
          Trockenheit und Sauerstoffmangel im Wurzelbereich -   veränderung oder Import, aber auch durch Dezimierung
          durch Bodenversiegelung wie Asphalt oder Pflasterungen   der Artenvielfalt (Kastanienminiermotte, Eschentriebster-
          im Kronentraufenbereich und verdichtete Böden durch   ben, Asiatischer Laubholzbockkäfer in Paletten).                 Fachgerechter Baumschnitt - was bedeutet das?
          Vibrationen des Verkehrs, parkende Autos, stark verdichte-
          ter Unterbau von Straßen und Gehwegen etc.           Reduzierte Mykorrhiza – das unterirdische Pilzgeflecht, das
                                                               eine Symbiose mit dem Baum eingeht und stellt Phosphor,
                                                                                                                                 Die Baumpfleger der Abteilung Forst & Garten richten sich
          Schäden an unterirdischen Wurzeln - durch Grabungen   Stickstoff und Wasser liefert (der Baum gibt dafür Zucker
                                                                                                                                 bei ihren Schnittmaßnahmen nach der geltenden Ö-Norm L
          beim Leitungs- bzw. Kanalbau, Aushub für Gebäude, Stra-  durch Photosynthese) und vital erhält – ist im städtischen
                                                                                                                                 1122 – Baumpflege und Baumkontrolle.
          ßenbau oder für Pflasterungen etc.                   Boden in viel geringerem Ausmaß vorhanden. Im Wald sind
                                                               Bäume durch dieses Geflecht auch miteinander verbunden.
          Eintrag von baumschädigenden Stoffen im Wurzelbereich                                                                  Dazu auszugsweise einige Punkte:
                                                                                                                                 •  Schnittmaßnahmen in der Krone sind so auszuführen,
          der Bäume – Streusalz und andere Schadstoffe im Stra-  Laubentfernung – im Wald wird aus dem Fall-Laub Humus
                                                                                                                                   dass das artgerechte Erscheinungsbild der Pflanze
          ßenbereich, auch Bauschutt und dadurch oft kalkhaltiges   gebildet, in den frequentierten Bereichen der Stadt muss es
                                                                                                                                   möglichst gewahrt bleibt.
          Erdreich, was manche Baumarten schlecht vertragen.   entfernt werden (manchmal auch, um Baumkrankheiten wie
                                                                                                                                 •  Schnitte sind so anzusetzen, dass bei möglichst kleiner
                                                               Eschentriebsterben, Kastanienminiermotte zu dezimieren).
                                                                                                                                   Verwundung eine optimale Kallusbildung (Überwallung)
          Schäden an oberirdischen Wurzeln und Stamm - durch
                                                                                                                                   möglich ist. Es ist auf Astring zu schneiden, das heißt
          parkende Fahrzeuge, durch Kollisionen, Plakatieren am
                                                                                                                                   Vermeidung von stammparallelen Schnitten und
          Baum, fallweise auch durch Mäharbeiten oder mutwillige
                                                                                                                                   Stummelschnitten.
          Beschädigungen. Aber auch durch Bauarbeiten im Nah-
                                                                                                                                 •  Bei der Durchführung von Schnittmaßnahmen ist die
          bereich eines Baumes, wenn Baumaterial abgelagert wird
                                                                                                                                   Abschottungsfähigkeit des Baumes zu berücksichtigen
          oder Beschädigung durch Maschinen stattfinden.
                                                                                                                                   (schwach abschottende Baumarten sind z.B. Birke,
                                                                                                                                   Pappel, Rosskastanie, Weide, Apfel, Birne).
                                                                                                                                 •  Kronenkappungen sind generell zu unterlassen. Sie
                                                                                                                                   sind allenfalls als Vorbereitung zur Baumentfernung
                                                                                                                                   statthaft.
                                                                                                                                 •  Kroneneinkürzungen dürfen nur max. 20 % des
                                                                                                                                   Kronenvolumens betragen und sind nur zur Erreichung
                                                                                                                                   der Verkehrssicherheit oder bei erheblichen
                                                                                                                                   Kronenschäden statthaft.
                                                                                                                                 •  Einkürzungen gesunder Äste hemmen Bäume in ihrem
                                                                                                                                   Wuchs, erzeugen meist Faulstellen und reduzieren deren
                                                                                                                                   Lebenserwartung.                                  Rosskastanie mit artgerechtem Habitus (Emanuel v. Hibler Straße)
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